Na toll :( Jetzt bin ich krank! Ich habe mich am Wochenende so ein bisschen mit Mattigkeit und Halsschmerzen rumgeschlagen und deswegen extra alle Pläne abgesagt, um mich wieder vollkommen zu erholen. Dann ging es mir auch wieder etwas besser, aber heute Nacht bin ich mit so richtig fiesen Ohrenschmerzen aufgewacht. Am Morgen wurden die Halsschmerzen dann noch stärker und es kamen Schluckbeschwerden dazu, da habe ich dann aufgegeben und bin zum Arzt gegangen. Jetzt bin ich erst einmal den Rest der Woche krankgeschrieben. Schon doof. Aber es tut auch mal ganz gut, einfach zuhause zu sein und sich ein bisschen bemuttern zu lassen (meine Mutter hat schon Suppe vorbeigebracht). Auch Oktay hat mich schon angerufen und angekündigt, dass er heute Abend zu mir kommt und ein paar Filme mitbringt, um mir die Langeweile zu vertreiben. Habe ich nicht einen tollen kleinen Bruder? So macht Kranksein doch nun wirklich Spaß!
Ich arbeite ja schon einige Jahre im Callcenter, am Anfang habe ich nur so nebenbei etwas gemacht, dann irgendwann Vollzeit. Was ich da für verrückte Sachen erlebt habe, darf ich gar keinen erzählen. Ich hatte auch schon Leute dran, die völlig verwirrt waren und dachten, sie würden mit dem Geheimdienst reden. Traurig war aber auch, dass hin und wieder alte Menschen angerufen haben, die sich einsam fühlten. Ich hätte am liebsten noch Stunden mit ihnen gesprochen und ihnen ein bisschen die Einsamkeit versüßt, aber wir müssen leider eine Quote erfüllen. Also habe ich die Bestellung aufgenommen und dann musste es weitergehen. Das Schlimmste, was ich wahrscheinlich bis jetzt erlebt habe, war der alte Mann, der angerufen hatte, um eine Bestellung zu stornieren und dann erzählte, dass seine Frau, seine Tochter und ihre beiden Kinder bei einem Unfall gestorben wären. Das sind Sachen, die lassen einen schlucken und da weiß man nicht, was man sagen soll…
Ich selbst arbeite schon ein paar Jahre im Callcenter und bin sehr zufrieden. Letztens bin ich befördert worden, jetzt bin ich für die Mitarbeitersuche zuständig. Ich werte die Bewerbungen aus und lade die Bewerber, die geeignet erscheinen, ein. Das sind die verschiedensten Menschen, meistens junge Leute, die sich neben der Schule oder dem Studium was dazuverdienen wollen. Weil diese Leute schnell genug vom anstrengenden Job haben, kündigen sie oft, also ist die Mitarbeitersuche ein Vollzeitjob. Am Anfang dachte ich immer, so viel kann da nicht zu tun sein, aber tatsächlich gibt es fünf Mitarbeiter, die nur für die Mitarbeitersuche abgestellt sind. Naja, einige kümmern sich dann auch um die Bewerbungsgespräche. Aber im Großen und Ganzen ist es unerwartet viel, was da zu tun ist. Momentan ist es weniger, weil wir keinen Leerstand haben. Wenn solche Situationen auftreten, übernehme ich anstatt der Mitarbeitersuche oft auch die normalen, anfallenden Aufgaben, Bestellungen entgegennehmen, also den Aufgabenbereich eines ganz normalen Callcenter-Mitarbeiters. Trotzdem habe ich vor, mich noch weiter hochzuarbeiten und ganz in der Mitarbeitersuche zu arbeiten, weil das auch besser bezahlt wird. Mal schauen, ob es klappt. Bis jetzt waren die Chefs sehr zufrieden mit mir und meiner Mitarbeitersuche. Also kann es nur gut weiterlaufen.
Mein kleiner Bruder Oktay hat nächste Woche Geburtstag, da muss ich mich noch ins Zeug legen, um rechtzeitig ein Geschenk zu finden. Ach ja, und der Kuchen darf auch nicht fehlen. Unsere Mutter backt zwar auch einen, aber Oktay bekommt seit Jahren zwei. Wir sind zwar Türken, aber aufgeschlossen, nicht besonders religiös und eher locker erzogen worden. Oktay hat mir heute auch eine SMS geschrieben, dass er wahrscheinlich einen neuen Job beim Obst- und Gemüsehändler hat. Unser Cousin Ali hat ihn zu einem Freund vermittelt, der gerade auf der Suche war. Ich hoffe, das ist endlich das Richtige für Oktay!
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